Große Wendlinger Kurve
Bei der Großen Wendlinger Kurve in Baden-Württemberg wird erstmals im Netz der Deutschen Bahn eine unbewehrte Feste Fahrbahn des Systems RHEDA 2000 im Tunnelbereich eingesetzt. Die Betriebserprobung untersucht, ob gezielt angeordnete Kerbfugen die bisher übliche durchgehende Längsbewehrung ersetzen können und welche Potenziale sich daraus für Bauablauf, Materialeinsatz und Einbaugeschwindigkeit ergeben.
Neue Bauweise für die Feste Fahrbahn im Tunnel
Seit März 2024 entsteht im Projekt Große Wendlinger Kurve in Wendlingen am Neckar eine Feste Fahrbahn mit einer Besonderheit: Erstmals wird im Netz der Deutschen Bahn im Tunnelbereich eine unbewehrte Feste Fahrbahn des Systems RHEDA 2000 eingesetzt.
Die Planung übernimmt die ARGE Tunnel Wendlingen (Züblin – Max Bögl). FCP ist mit der Planung der Festen Fahrbahn beauftragt. Die Experten des Fachbereichs Eisenbahnwesen rund um Projektleiter Christof Gröstlinger verantworten die Ausführungsplanung, Bestandsplanung, Erstellung des Leistungsverzeichnisses sowie die Erstellung der Unterlagen für die Betriebserprobung.
Kerbfugen statt durchgehender Längsbewehrung
Bei der bisherigen Standardbauweise RHEDA 2000 ist eine durchgehende Längsbewehrung von rund 60 kg Betonstahl pro Laufmeter Fester Fahrbahn vorgesehen. Im Projekt Große Wendlinger Kurve kommt stattdessen ein Konzept lediglich mit gezielt angeordneten bewehrten Kerbfugen zum Einsatz. Der Ansatz wurde aus dem Betonstraßenbau abgeleitet.
Im Rahmen der Betriebserprobung wird untersucht, ob mit dieser Konstruktion auf die bisher übliche durchgehende Längsbewehrung verzichtet werden kann. Dabei stehen insbesondere die Dauerhaftigkeit und das Rissverhalten der Konstruktion unter realen Betriebsbedingungen im Mittelpunkt.
Die Große Wendlinger Kurve verbindet eine bewährte Bauweise mit einem weiterentwickelten Konstruktionsansatz.
Materialeinsatz und Bauablauf im Fokus
Der Verzicht auf die Bewehrung bietet Potenziale für den Materialeinsatz und die Bauausführung. Da der Einbau der Bewehrung bei der unbewehrten Bauweise vollständig entfällt, kann Material eingespart werden. Gleichzeitig werden Möglichkeiten für einen vereinfachten Bauablauf und eine höhere Einbaugeschwindigkeit untersucht.
Die Besonderheit der Lösung liegt auch in ihrer historischen Verbindung zum RHEDA-System: Das ursprüngliche RHEDA-System ist aus dem Betonstraßenbau hervorgegangen. Die unbewehrte Bauweise greift diesen Grundgedanken wieder auf und entwickelt ihn für den Einsatz bei der Festen Fahrbahn weiter.
Betriebserprobung als Grundlage für weitere Optimierungen
Die Betriebserprobung soll zeigen, wie sich die unbewehrte Konstruktion unter realen Betriebsbedingungen verhält. Neben der Dauerhaftigkeit und dem Rissverhalten werden damit auch mögliche Optimierungspotenziale für zukünftige Projekte untersucht.
Insbesondere bei Tunnelbauwerken mit großen Längen könnte die Bauweise Potenzial für eine effizientere Herstellung bieten. Voraussetzung dafür ist, dass die Anforderungen an Sicherheit, Qualität und Lebensdauer erfüllt werden.
„Die Große Wendlinger Kurve verbindet damit eine bewährte Bauweise mit einem weiterentwickelten Konstruktionsansatz“, erklärt FCP-Projektleiter Christof Gröstlinger und ergänzt weiter: „Die unbewehrte Feste Fahrbahn des Systems RHEDA 2000 könnte künftig auch für weitere Projekte relevant sein.“
Fact-Box
Projekt
Feste Fahrbahn – Große Wendlinger Kurve
Lage
Wendlingen am Neckar, Baden-Württemberg, Deutschland
Leistungen
Ausführungsplanung, Bestandsplanung, Erstellung des Leistungsverzeichnisses, Erstellung der Unterlagen für die Betriebserprobung
Beteiligte CCs
CC Eisenbahnwesen
Konstruktionsansatz
Gezielt angeordnete bewehrte Kerbfugen anstelle der bisher üblichen durchgehenden Längsbewehrung
Besonderheit
Erstmals im Netz der Deutschen Bahn wird eine unbewehrte Feste Fahrbahn des Systems RHEDA 2000 im Tunnelbereich eingesetzt
Ziel der Betriebserprobung
Untersuchung von Dauerhaftigkeit und Rissverhalten unter realen Betriebsbedingungen sowie möglicher Optimierungspotenziale